Wohnungslosigkeit
Wohnungslosenstatistik verzeichnet in Rheinland-Pfalz einen Anstieg um gut 5 Prozent.
Die in der vergangenen Woche veröffentlichte Wohnungslosenstatistik mit den Zahlen zum Stichtag 31. Januar 2026 verdeutlicht die angespannte Lage in Rheinland-Pfalz. Während die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Menschen bundesweit im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent zurückgegangen ist, verzeichnet Rheinland-Pfalz einen Anstieg um gut 5 Prozent. Die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Menschen stieg von 14.500 auf 15.265.
Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund, dass die bislang größte Gruppe der untergebrachten wohnungslosen Menschen – Geflüchtete aus der Ukraine – im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. In den vergangenen Jahren wurde der Anstieg der Wohnungslosenzahlen häufig mit den Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Aufnahme geflüchteter Menschen erklärt. Die aktuelle Statistik zeigt jedoch ein anderes Bild: Während die Zahl ukrainischer Staatsangehöriger sinkt, nimmt insbesondere die Zahl der Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit zu.
„Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass die Ursachen für Wohnungslosigkeit längst nicht mehr vorrangig in Fluchtmigration zu suchen sind“, erklärt Albrecht Bähr, Landespfarrer für Diakonie. „Der Anstieg ist vielmehr Ausdruck einer sich weiter verschärfenden Wohnungsmarktkrise. Immer mehr Menschen verlieren ihre Wohnung oder finden trotz Unterstützung keinen bezahlbaren Wohnraum.“
Die Entwicklung unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum trifft zunehmend auch Menschen mit geringem Einkommen, Familien, Alleinerziehende und andere vulnerable Gruppen. Wohnungslosigkeit lässt sich nur wirksam bekämpfen, wenn ausreichend sozial gebundener und bezahlbarer Wohnraum geschaffen sowie Prävention und Hilfesysteme nachhaltig gestärkt werden.
Die aktuellen Zahlen sind ein deutlicher Auftrag an Politik und Kommunen, den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus konsequent voranzutreiben und den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu verbessern. Denn Wohnungslosigkeit ist kein unvermeidbares Schicksal, sondern in vielen Fällen die Folge eines Wohnungsmarktes, der für immer mehr Menschen nicht mehr zugänglich ist.