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Pressemeldungen

Kitas als Kinderstube der Demokratie

Pädagogische Fachkräfte bilden sich beim Fachtag für gelebte Demokratiepädagogik im Hambacher Schloss weiter.

„Von der Wiege zur Demokratie zur Kinderstube der Demokratie“: Unter diesem Motto kamen am Mittwoch mehr als 300 pädagogische Fachkräfte aus protestantischen Kindertagesstätten der gesamten Pfalz zum Fachtag für gelebte Demokratiepädagogik des Diakonischen Werkes der Pfalz ins Hambacher Schloss. Der historische Ort des Hambacher Festes von 1832 bot dabei den passenden Rahmen für die Frage, wie Demokratie bereits im Kita-Alltag erfahrbar werden kann.

Anke Höhn und Sandra Wehrle vom Fachbereich KiTa der Diakonie Pfalz begrüßten die Teilnehmenden. Grußworte sprachen der für die Diakonie zuständige Oberkirchenrat der pfälzischen Landeskirche, Markus Jäckle, und Dr. Kristian Buchna, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Stiftung Hambacher Schloss. Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr stellte seine Predigt unter das biblische Wort „Kommt und seht“ (Johannes 1,35-39). Demokratie beginne dort, wo Kinder Würde, Sicherheit und Zugehörigkeit erfahren, betonte Bähr: „Hier bin ich willkommen. Hier darf ich sein, wie ich bin.“

Wie demokratische Beteiligung im Kita-Alltag konkret aussehen kann, zeigte Rüdiger Hansen vom Institut für Partizipation und Bildung aus Kiel in seinem Impulsvortrag. Demokratie beginne „in den Köpfen der Erwachsenen“, so Hansen. Fachkräfte müssten unterscheiden, wo Erwachsene Entscheidungen treffen, wo Kinder mitentscheiden und selbst bestimmen können.

Das könne bei alltäglichen Fragen beginnen: Was dürfen Kinder bei Regen anziehen? Wie hoch dürfen sie auf Bäume klettern? Müssen alle schlafen? Oder: Wie soll der Speiseplan aussehen? Gemeinsam mit den Kindern können Regeln und Zuständigkeiten entwickelt und in einer Kita-Verfassung festgehalten werden. Kinderparlamente und Beteiligungsprojekte schaffen weitere Möglichkeiten, eigene Anliegen einzubringen und Entscheidungen mitzugestalten.

Dabei gehe es nicht darum, Verantwortung für Schutz und Sicherheit abzugeben. Vielmehr müssten pädagogische Fachkräfte bewusst prüfen, welche Entscheidungen tatsächlich von Erwachsenen getroffen werden müssen und wo Kinder beteiligt werden können. „Es ist für pädagogische Fachkräfte nicht leicht, Macht abzugeben, wenn man sie hat“, erläuterte Hansen. Eine Kita-Verfassung könne Kinder vor Rechtlosigkeit und Willkür schützen.

Auch das Recht auf Beteiligung ist in verschiedenen gesetzlichen Grundlagen und den Konzepten der Einrichtungen verankert. Dazu gehören unter anderem Beschwerdemöglichkeiten und ein Gewaltschutzkonzept. Partizipation bedeutet dabei, Kinder altersgerecht und verständlich einzubeziehen und ihre Perspektiven ernst zu nehmen.

„Demokratie beginnt in den Köpfen der Erwachsenen“, lautete Hansens Fazit. „Wenn Kinder erleben, dass ihre Argumente gehört werden und sie innerhalb klarer Grenzen Einfluss nehmen können, lernen sie demokratische Prozesse unmittelbar kennen.“ Die gemeinsam vereinbarten Regeln können dabei kindgerecht visualisiert und direkt an den Orten angebracht werden, an denen sie gelten, zum Beispiel an der Garderobe oder im Speisesaal.

Im Anschluss konnten die Teilnehmenden zwischen einer Führung durch die Demokratieausstellung des Hambacher Schlosses und zehn praxisorientierten Stationen zur Demokratieförderung in der Kita wählen. Dort ging es unter anderem um die Beteiligung von Eltern und Kindern unter drei Jahren, den Umgang mit Macht und demokratiefeindlichen Aussagen sowie um praktische Teamübungen.

Für ein Team aus einer Ludwigshafener Kita war die Verbindung von historischem Ort und pädagogischer Praxis besonders inspirierend: „Durch Partizipation werden die Kinder nicht nur auf die Schule, sondern auch auf ihr späteres Leben vorbereitet. Die Kinder lieben die Kindergremien bei uns. Man merkt jedes Jahr mehr, wie sie da hineinwachsen und ihre Erfahrungen schon an Jüngere weitergeben.“