Kinderarmut
Wenn Geld über Zukunft entscheidet- Diakonisches Werk Pfalz warnt vor Folgen von Kinderarmut.
Aktuelle Zahlen zeigen: Armut bleibt auch in Rheinland-Pfalz ein drängendes Problem. Das Diakonische Werk Pfalz unterstützt den bundesweiten Appell „Nicht an der Zukunft sparen“ und fordert verlässliche Hilfen für junge Menschen und ihre Familien.
Ob ein Kind am Schulausflug teilnehmen kann, Jugendliche sich eine Vereinsmitgliedschaft leisten können oder das Geld für ein Busticket zur Ausbildungsstelle reicht: Für Familien mit wenig Einkommen sind solche Fragen Alltagsrealität. Armut bedeutet weit mehr als finanzielle Not. Sie schränkt die Möglichkeiten junger Menschen ein dazuzugehören und die eigene Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Das Diakonische Werk Pfalz schließt sich dem aktuellen bundesweiten Appell an und bringt seine Position in drei Kernaussagen auf den Punkt: Armut nimmt jungen Menschen Zukunftschancen. Familien brauchen Unterstützung, die tatsächlich bei ihnen ankommt. Und an der sozialen Infrastruktur darf nicht gespart werden. „Die Zukunft eines Kindes darf nicht davon abhängen, wie viel Geld seine Eltern haben“, so Albrecht Bähr, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Pfalz und Sprecher der Landesarmutskonferenz.
Der 7. Armuts- und Reichtumsbericht des Landes Rheinland-Pfalz zeigt deutlichen Handlungsbedarf: Die Armutsgefährdungsquote liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Erwerbslose und Menschen mit geringer Qualifikation. Wie dringend politisches Handeln ist, unterstreicht daher der aktuelle Appell des bundesweiten Bündnisses Ratschlag Kinderarmut, dem auch die Diakonie Deutschland angehört. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2025 bundesweit 16 Prozent der Kinder unter 18 Jahren armutsgefährdet. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und unter 25 Jahren lag die Quote sogar bei 24,8 Prozent. Fast jeder vierte junge Mensch dieser Altersgruppe ist damit von Armut bedroht. „Hinter jeder Armutszahl steht ein junger Mensch mit Wünschen, Talenten und Hoffnungen. Bedenklich ist, wie stark die Startvoraussetzungen bereits bei der Geburt über den weiteren Verlauf der Biographie entscheiden. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen“, erklärt Bähr.
Mit seinen Beratungsangeboten unterstützt das Diakonische Werk Pfalz Menschen und Familien, die sich in finanziellen und sozialen Notlagen befinden. Dabei geht es nicht allein darum, akute Krisen zu bewältigen, sondern auch darum, Perspektiven zu eröffnen, Ansprüche auf Unterstützung zu klären und dadurch Menschen wieder Handlungsspielräume zu ermöglichen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist frühe Unterstützung entscheidend.
Wer an jungen Menschen spart, spart an unserer gemeinsamen Zukunft
Für das Diakonische Werk Pfalz ist deshalb klar: Die Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut darf sich nicht auf finanzielle Einzelmaßnahmen beschränken. Familien brauchen eine existenzsichernde Unterstützung, die ihren tatsächlichen Lebenshaltungskosten gerecht wird. Sozialleistungen müssen verständlich, leicht zugänglich und möglichst unbürokratisch sein. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsentscheidungen fordert das Diakonische Werk Pfalz Bund, Land und Kommunen auf, die soziale Infrastruktur langfristig abzusichern. Beratungsstellen, Jugendsozialarbeit, Familienberatung und niedrigschwellige Unterstützungsangebote sind keine freiwilligen Extras, sondern unverzichtbare Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. „Wir können Familien beraten, ihnen Wege aufzeigen und sie in schwierigen Lebenssituationen begleiten. Aber Beratung allein kann Armut nicht beseitigen. Dafür braucht es politische Entscheidungen, die soziale Sicherheit schaffen und jungen Menschen echte Chancen eröffnen. Gerade wenn öffentliche Mittel knapp werden, darf nicht bei denen gespart werden, die unsere Unterstützung am dringendsten brauchen“, so Vorstandsvorsitzender Albrecht Bähr. Das Diakonische Werk Pfalz schließt sich damit dem Appell des Ratschlags Kinderarmut an: Die Entscheidungen über den Bundeshaushalt 2027 müssen die Zukunft junger Menschen sichern.
Hintergrund
Der bundesweite Ratschlag Kinderarmut setzt sich seit 2016 für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen ein. Sein aktueller Appell „Nicht an der Zukunft sparen: Jugendarmut bekämpfen, Teilhabe sichern“ wurde am 26. Oktober 2026 veröffentlicht und wird von zahlreichen Wohlfahrtsverbänden, Organisationen und Gewerkschaften getragen, darunter die Diakonie Deutschland.
