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Offene Jugendarbeit

Raum für Erfolgserlebnisse: Jugendraum Quo Vadis Landstuhl setzt auf offene Jugendarbeit

Wir holen die Kids da ab, wo sie stehen. Noch wörtlicher als wir kann man diesen Satz gar nicht nehmen.
Tobias Comperl, Sozialarbeiter im Jugendraum Quo Vadis in Landstuhl.

Mitten im Stadtzentrum hat der Jugendraum seine Türen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene geöffnet - und holt sie damit von der Straße. "Wenn es diese Form der offenen Jugendarbeit nicht gäbe, dann säßen sie am Bahnhof oder vor dem Supermarkt und würden trinken", sagt Comperl.

"Quo Vadis" ist ein Gemeinschaftsprojekt

  • des Protestantischen Dekanats Homburg,
  • der Protestantischen Kirchengemeinde Landstuhl
  • und des Landesjugendpfarramts der Evangelischen Jugend der Pfalz.

Der Jugendraum besteht seit 1996 und ist ein

  • offener Treffpunkt für alle jungen Menschen,
  • gleich welcher Herkunft
  • und welcher Religion sie angehören.

Dabei

  • lernen Jugendliche sich gegenseitig kennen,
  • verbringen ihre Freizeit gemeinsam
  • und nehmen an Angeboten und Aktivitäten teil.
  • Weiterhin haben sie die Möglichkeit eine ihrer Lebenssituation entsprechende, gezielte Beratung und Unterstützung zu erhalten.

Wo gehst du hin? - Wohin geht dein Weg?

Bei der Namensfindung vor 14 Jahren ist bewusst eine Verbindung zwischen dem Namen Quo Vadis und dem professionellen Konzept im Jugendraum hergestellt worden. Quo Vadis bedeutet "Wo gehst du hin?", "Wohin geht dein Weg?". Das ist zugleich der Ausgangs- und Ansatzpunkt der Sozialen Arbeit im Jugendraum.

Je offener ein Angebot ist, desto mehr Leute spricht es an. Je mehr man die Jugendlichen in Ruhe lässt, desto eher kommen sie. Offene Jugendarbeit heißt: Wir bieten Räume an und schauen dann, was passiert",

erklärt Comperl das Konzept. "Quo Vadis" bietet vier Räume auf 150 Quadratmetern -

  • mit Billardtisch und Kicker,
  • Küche und Bartresen,
  • einer gemütliche Couchecke als Rückzugsmöglichkeit,
  • Internetstation
  • und Tonstudio.

Natürlich gibt es darüber hinaus Freizeitangebote - aber die werden gemeinsam mit den Besuchern entwickelt. Das Konzept geht auf: Die Jugendlichen identifizieren sich mit ihrem Raum, übernehmen von sich aus Verantwortung - und greifen auch selbst zu Farbe und Pinsel.

Es war schon erstaunlich zu sehen, mit welcher Begeisterung die harten Jungs weiße Schmetterlinge auf die lila Wand der Mädchentoilette gepinselt haben",

erzählt Comperl. Erfolgserlebnisse sind für diese Jugendlichen sonst "unglaublich selten". Hier aber machen sie die Erfahrung, etwas erreichen zu können, zum Beispiel einen Song im Tonstudio fertigzustellen und dabei auch die eine oder andere Hürde zu überwinden. 30 Jugendliche besuchen den Jugendraum täglich, weitere 70 unregelmäßig.

Quo Vadis richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 25 Jahren. Im Rahmen der Jugendsozialarbeit wird auch Einzelfallhilfe angeboten.

Kulturelle Unterschiede spielen bei uns in der Praxis keine Rolle. Die Jugendlichen gehen ganz offen miteinander um. Sie zeigen Interesse an unterschiedlichen Kulturen",

sagt Comperl. Seit Januar 2012 ist der Jugendraum auch einer von bundesweit zehn Kooperationspartner des Projekts "TANDEM-Vielfalt gestalten! Evangelische Jugend in Kooperation mit Migrant(inn)enorganisationen" der  Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej). Ziel dabei ist es, durch gemeinsame Angebote der Evangelischen Jugend und der Migrant(inn)enorganisationen (Tandems) Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft den wertschätzenden Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitbestimmung und Mitgestaltung zu vermitteln.

Komm', wir bringen dich nach Hause!

Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die aus problematischen wirtschaftlichen oder sozialen Verhältnissen stammen, wirkt auch in die Familien und das Umfeld zurück. Wenn Tobias Comperl um 20 Uhr die Türen des Jugendraums schließt, spielen oft noch kleinere Kinder allein auf der Straße. Es sind seine "Quo-Vadis-Kids", die sich verantwortlich fühlen und die Jüngeren dann an die Hand nehmen: "Komm', wir bringen dich nach Hause!"