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"Neue Arbeit Westpfalz"

Das gute Gefühl, gebraucht zu werden: "Neue Arbeit Westpfalz" bietet Arbeit, Qualifizierung und Beratung

"Einen roten Teppich hat noch keiner für uns ausgerollt", sagt Gabi Schellhammer. Die Geschäftsführerin des Vereins "Neue Arbeit Westpfalz" (NAW) braucht vor allem eines für ihre Arbeit: viel Biss und Durchhaltevermögen.

Das benötigen auch die arbeitslosen Menschen, denen die NAW Arbeit, Qualifizierung und Beratung im Rahmen eines Betriebes anbietet. Wie "groß" die gesellschaftliche Anerkennung von Hilfsprojekten für Arbeitslose ist, zeigt sich unter anderem bei der Spendenbereitschaft.

Gerade in unserer individualisierten Gesellschaft ist Arbeitslosigkeit immer noch ein Thema, das viele mit Versagen und Schuldzuweisungen verbinden. Das Hilfesystem wird immer komplizierter und viele Außenstehende fragen: Warum findet diese Person keine Arbeit? Wir mit unserem christlichen Hintergrund sagen: Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen.

Die Teilnehmer der Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen kommen aus dem Stadtgebiet Kaiserslautern und werden für die Dauer von sechs Monaten einer der Arbeitsgruppen aus den Bereichen

  • Dienstleistungen,
  • Forst,
  • Garten,
  • Haushaltsassistenz,
  • Holzwerkstatt,
  • Maler,
  • Reinigung
  • und Warenhaus

zugewiesen. Der Verein ist Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz. Er arbeitet mit den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege und mit den anderen sozialen Einrichtungen im Raum Kaiserslautern zusammen, die sich ebenfalls an arbeitslose Frauen und Männer richten.

"Die Bandbreite unserer Teilnehmer ist groß", sagt Schellhammer. Junge Menschen seien genauso darunter wie ältere Menschen, Frauen und Männer verschiedener Herkunft, Teilnehmer mit Hauptschulabschluss wie auch mit Hochschulstudium, Menschen mit geringer Arbeitserfahrung oder "alte Hasen", die nach 30 Arbeitsjahren ihren Job verloren haben. Eines eint sie aber alle: "Sie leben aus verschiedenen Gründen in einer so belastenden Situation, dass ihnen oft die Energie fehlt, sich erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu präsentieren", erklärt Gabi Schellhammer. Die Arbeit in den NAW-Projekten gebe ihnen wieder das Gefühl, gebraucht zu werden, Erfolg zu haben und auch Misserfolge durchstehen zu können.

Die Menschen kommen endlich wieder einmal aus dem Haus, haben durch ihre Kollegen soziale Kontakte und eine Tagesstruktur. Das stärkt sie ungemein",

verdeutlicht Schellhammer. Zudem werden die Teilnehmer auch sozialpädagogisch betreut und begleitet.
Die Festigung der Persönlichkeit ist natürlich nicht das alleinige Ziel der Maßnahmen. "Es geht immer darum, neue Dinge zu lernen, auch bei den rein praktischen Tätigkeiten wie in der Holzwerkstatt oder bei den Haushaltsauflösungen", erklärt Gabi Schellhammer. Darüber hinaus gibt es aber auch Arbeitsgelegenheiten mit Qualifizierung und beruflicher Weiterbildung. So zum Beispiel die Qualifizierung zur Pflegekraft "Haushaltsassistenz", die eine Maßnahme der Förderung beruflicher Weiterbildung (FbW) ist und durch den Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Das Projekt läuft seit 2007 sehr erfolgreich. "Hier liegt unsere Vermittlungsquote in den ersten Arbeitsmarkt bei über 50 Prozent", berichtet die Geschäftsführerin, die auch eine besondere Erfolgsgeschichte zu erzählen weiß:

Eine unserer Teilnehmerinnen studiert heute Medizin. Sie hatte Abitur und war nach einem Bruch in ihrer Biografie ALG-2-Empfängerin. In unserer Maßnahme hat sie wieder so viel Motivation und Selbstbestätigung gefunden, dass sie sich für ein Studium entschieden hat.

Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist das Warenhaus "Schatzkiste" in der Pariser Straße in Kaiserslautern, das in jeder Hinsicht nachhaltig ist:

  • Möbel und Hausrat aus Haushaltsauflösungen werden im Stadtgebiet eingesammelt,
  • in der Holzwerkstatt repariert und aufgearbeitet,
  • um dann in der Schatzkiste verkauft zu werden.
  • Das freut die Spender, die ihre gebrauchten Waren für einen guten Zweck spenden.
  • Das freut die - finanziell benachteiligten - Kunden, die für wenig Geld neue Möbel kaufen können.
  • Das freut die Umwelt, weil sich die Lebensdauer von Gebrauchsgegenständen dadurch verlängert und Ressourcen geschont werden.

Das läuft wirklich gut, obwohl wir natürlich weit vom Schick eines Kaufhauses entfernt sind. Aber wir schauen, dass wir mit unseren Mitteln, mit viel Liebe und Sorgfalt das Beste daraus machen",

sagt Gabi Schellhammer.