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Kita als Nachbarschaftszentrum

Wir sind Kirche: Protestantische Kindertagesstätte Betzenberg als Nachbarschaftszentrum

Kindertagesstätten sind ein Fenster in den Sozialraum und damit eine große Chance für die Kirche.
Nadja Kocher, Leiterin der Kindertagesstätte Betzenberg in Kaiserslautern

Schon seit 1994 setzen viele evangelische Kindertagesstätten das Konzept "Kindergarten als Nachbarschaftszentrum in der Gemeinde" mit großem Erfolg um. Die Kita Betzenberg ist eine davon. Hier werden in vier Gruppen 100 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut. Neben der qualifizierten Betreuung und Förderung der Kinder in der Einrichtung gehören der Kontakt zu den Familien und die Begleitung der Familienangehörigen mit ihren Erziehungs- und Alltagsfragen zum Profil der Einrichtung.

Im Wohngebiet, das abgegrenzt vom Stadtzentrum am Waldrand liegt, leben ganz unterschiedliche Menschen:

  • mit und ohne Migrationshintergrund,
  • quer durch alle sozialen Milieus und Altersgruppen,
  • in Miete oder in Eigentumswohnungen,
  • in Wohnblocks und Einfamilienbungalows.

Ziel war und ist es, attraktive sozialraumorientierte - also maßgeschneiderte - Angebote für die Menschen zu schaffen, die hier leben. Der Kontakt zur Kirchengemeinde sollte intensiviert werden, "Kirche" positiver wahrgenommen werden. "Das ist uns gelungen", resümiert Nadja Kocher. "Kirche ist für unsere Eltern nicht nur der Raum Kirche, sondern die Gemeinschaft. Wir sind Kirche und die Menschen nehmen uns auch so wahr. Sie wissen, was Kirche leistet."

Damit solch ein Projekt gelingen kann, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. So vernetzten sich in einem ersten Schritt zunächst alle Akteure aus Diakonie und verfasster Kirche. Danach wurden weitere wichtige außerkirchliche Partner einbezogen. Heute kann das Nachbarschaftszentrum auf die Ressourcen eines dichten Netzwerkes zurückgreifen.
Beteiligt sind:

  • die evangelische Kindertagesstätte,
  • die evangelische Familienbildung,
  • die Erziehungsberatungsstelle,
  • die Sozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes,
  • der evangelische Gemeindedienst,
  • der gemeindepädagogische Dienst,
  • die ökumenische Sozialstation,
  • die protestantische Jugendzentrale, die Pfarrer(innen) und das Dekanat,
  • Freiwillige aus Kita, Eltern-Kind-Gruppenleitungen, Kindergottesdienst, Presbyterium und der Kinder- und Jugendarbeit.
  • Schulen, Vereine und andere Beratungseinrichtungen werden nach und nach mit in die Arbeit einbezogen.

"Zuerst war es wichtig, sich kennenzulernen, voneinander zu erfahren, wer was anbietet. Danach wurde der Bedarf analysiert, was fehlt, und dann erst geplant, welche Angebote umgesetzt werden sollen", erklärt Nadja Kocher. Zudem sei es unbedingt erforderlich, die verfügbaren Ressourcen wie Personal, Raum und Geld genau zu benennen, Kompetenzen zu verteilen und exakte Projektzeiträume festzulegen. "Die Steuerung des Projekts braucht verlässliche Personalkapazitäten. Die Kita hat hier eine zentrale Funktion, da sie die Schnittstelle ist und alle kennt", berichtet die Kita-Leiterin von ihren Erfahrungen. Zahlreiche Angebote sind mittlerweile entstanden. Sie finden sowohl in den Räumen der Kita als auch im Gemeindezentrum statt: Elternangebote wie

  • Elternfrühstück,
  • Erziehungskurs,
  • Feste,
  • eine Gruppe für Aussiedlerinnen,
  • für Alleinerziehende
  • und eine Sportgruppe,
  • eine Eltern-Kind-Gruppe.
  • Flohmarkt und Tauschbörse

haben sich etabliert. Die Räume können auch für Familienfeste genutzt werden. Weitere Angebote sind

  • die "Mahlzeit" für Familien - ein Familientreff mit Abendessen und Kinderbetreuung,
  • Familientage und Ferienangebote für Familien
  • sowie Angebote mit der Kirchengemeinde wie Familiengottesdienst, Taufe oder Tauferinnerung.

Auf großes Interesse stößt auch das breite Beratungsangebot

"Die Menschen nutzen das intensiv. Die Wege sind kurz und die Hemmschwelle viel geringer als bei Angeboten, die gezielt etwa in der Stadt aufgesucht werden müssen. Hier kann ich zum Beispiel Eltern ermuntern, indem ich sage: 'Morgen kommt ein Berater zu uns. Wollen wir gemeinsam hingehen?' Und dann machen wir das. Die Menschen vertrauen uns", berichtet Nadja Kocher.

Eine regelmäßige Qualitätssicherung und Überprüfung des Bedarfs ist unerlässlich. Es haben sich gute Kontakte zwischen ehemals "Kirchenfernen" aus dem Wohngebiet und der Kirchengemeinde entwickelt. Menschen aller Altersgruppen schätzen die bedarfsgerechten Angebote "der Kirche" sehr.
Diakonie, Kita und Gemeinde werden von außen als "die Kirche" gesehen - und auch von den Akteuren so gelebt.