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Inklusion in Rockenhausen

Der doppelte Weg in die Zukunft : Das Evangelische Diakoniewerk Zoar setzt auf Standortwandel und Dezentralisierung

Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen ist heute ein selbstverständlicher gesellschaftlicher und politischer Anspruch. Für das Evangelische Diakoniewerk Zoar in Rockenhausen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es schon immer die Richtschnur des Handelns.

Bis das Stichwort Inklusion in die Debatte kam, habe ich immer gesagt: Unsere Aufgabe ist Integration. Wir haben nicht den Auftrag, dass Menschen zu uns kommen und den Rest ihres Lebens hier verbringen. Wir fragen immer, wie können wir Menschen befähigen, einen weiteren Schritt auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen. Welche Angebote, welche Konzepte sind für die Verwirklichung dieses Zieles sinnvoll",

erklärt Pfarrer Martin Bach, Direktor des Evangelischen Diakoniewerks Zoar.

Vor diesem Hintergrund wurde auf einem Zukunftskonferenz im Jahr 2009 die generelle Frage gestellt: Hat der Inkelthalerhof als stationäre Einrichtung überhaupt noch eine Zukunft? Die Antwort fiel eindeutig aus: Ja, denn der Inkelthalerhof ist ein guter Ort zum Leben und die Einrichtung ist fest in der Gemeinde Rockenhausen verankert. "Wir gehen auf dem Inkelthalerhof den doppelten Weg des Standortwandels und der Dezentralisierung", erklärt Bach. Noch vor 30 Jahren hatte der Inkelthalerhof 635 Bewohner, heute sind es 240, in Zukunft werden 168 Menschen mit Behinderung auf dem Inkelthalerhof leben. Der Inkelthalerhof soll sich zu einem inklusiven, attraktiven Stadtteil von Rockenhausen entwickeln: einem Ort, an dem junge und alte Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen wohnen.

Im Zuge der Dezentralisierung werden 72 Menschen in verschiedene andere Einrichtungen umziehen: im Idealfall in kleinen Gruppen und zurück oder in die Nähe ihrer ursprünglichen Gemeinde. Zugleich wird der Standort Inkelthalerhof in ein lebendiges Quartier mit ansprechender Freizeit-, Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur umgestaltet. Die Öffnung nach außen macht das Angebot von Bauplätzen, die Umgestaltung der Wohnhäuser sowie den Umbau aller Doppel- zu Einzelzimmern erforderlich. Die schon vorhandenen Freizeitmöglichkeiten sollen erweitert werden. "Die ersten Tiere für den Streichelzoo sind schon da!" Auch die Buslinie soll ausgebaut und eine gute Versorgung der Bewohner mit Dingen des täglichen Bedarfs sichergestellt werden.

Zoar hat für diesen Zukunftsprozess eigens drei neue Mitarbeiter engagiert. Vor wenigen Wochen haben ein Integrationsmanager, ein Projektmanager und eine Bauingenieurin ihre Arbeit aufgenommen. Der Integrationsmanager hilft den Menschen, die vom Inkelthalerhof in eine neue Gemeinde ziehen. "Er knüpft zum Beispiel Kontakte mit Vereinen, Nachbarn und Behörden und bereitet sie so auf die neuen Mitbewohner vor. Wir wollen den Prozess der Inklusion und auch die örtlichen Gemeinwesen auf dem Weg dahin unterstützen. Was wir in jedem Fall vermeiden wollen, ist, dass Menschen hier bei uns oder in ihrem neuen Zuhause in eine Ghettosituation geraten", verdeutlicht Bach die Aufgaben des Integrationsmanagers.
Auch am Standort Rockenhausen ist die Zusammenarbeit und die Vernetzung mit der Kommune und örtlichen Partnern eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft des Inkelthalerhofs. Ein Instrument dafür ist das Stadtteilforum, das erstmals im Jahr 2010 veranstaltet wurde und in regelmäßigen Abständen wiederholt werden soll. "Miteinander ins Gespräch zu kommen war und ist wichtig. Die Veranstaltung ist auf reges Interesse gestoßen und wir alle profitieren von den Erfahrungen und Kenntnissen der Menschen, die sich daran beteiligt haben", sagt Bach über diese Form der Bürgerbeteiligung. Auch eine Kooperation mit der Integrierten Gesamtschule Rockenhausen wurde gegründet, aus der eine Schüler-AG hervorgegangen ist.

Wir ermöglichen Inklusion - auch im Rahmen unseres stationären Angebots. Die Menschen leben in einem Gemeinwesen, das nicht mehr Sondergebiet ist, sondern ein ganz normaler Stadtteil. Das ist unsere Vision.