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Ehrenamtliche Hilfe von nebenan

Diakonissenverein Landau setzt auf Nachbarschaftshilfe

Alt, einsam, auf Pflege angewiesen: Das ist längst kein Einzelschicksal mehr. Die demografische Entwicklung in Deutschland zeigt, dass immer mehr Menschen immer älter werden und dass die Anzahl der kranken, hilfesuchenden und pflegebedürftigen Menschen steigt.

Dabei ist klar, dass die derzeitigen sozialen Netzwerke wie Krankenhaus, Heim und Sozialstation die zukünftigen Aufgaben nicht mehr bewältigen können.
Hans-Joachim Bouquet, Vorsitzender des Diakonissenvereins Landau

Aus diesem Grund hat der Verein im Jahr 2010 in Frankweiler die Nachbarschaftshilfe gegründet.

Wir sind überzeugt davon, dass ein neuer sozialer Raum mit neuen Hilfesystemen entstehen muss, um die Lücken in der Versorgung der Menschen zu schließen. Zentrale Nachbarschaftshilfen sind dafür ein geeignetes Instrument",

erklärt Bouquet. Zur Verwirklichung des Auftrages der christlichen Nächstenliebe werden solche zentralen Nachbarschaftshilfen ins Leben gerufen. Nachdem das Projekt in Frankweiler so erfolgreich läuft, wird der Diakonissenverein Landau mit dem angeschlossenen Krankenpflegeverein Böchingen noch in diesem Jahr eine weitere Nachbarschaftshilfe gründen. Für den Diakonissenverein ist das auch ein Schritt zurück zu den Wurzeln - zur häuslichen Versorgung vor allem älterer Menschen. Die häusliche Alters- und Krankenpflege war über Jahrzehnte die Aufgabe des Diakonissenvereins und in Landau bekannt. Fast in jedem Haushalt wurde die Hilfe der Schwestern angenommen. 1975 übernahm die neu gegründete Ökumenische Sozialstation Landau diese Tätigkeit.

Wobei es einen sehr wichtigen Unterschied zwischen Nachbarschaftshilfe und professioneller Pflege gibt: Nachbarschaftshilfe wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet und wird kostenlos angeboten. Sie ist ausgerichtet auf niederschwellige, nicht regelmäßige Dienste. Die beste Nachbarschaftshilfe ist natürlich die, die von Haus zu Haus kommt - vom echten Nachbarn eben. Oft ist das aber gar nicht mehr möglich. Die Menschen werden älter, die Kinder ziehen fort, und plötzlich wird es einsam. Der Nachbar ist selbst alt und benötigt Hilfe. Oder Familien mit Kindern brauchen eine kurze hauswirtschaftliche Unterstützung, während Vater und Mutter zur Arbeit gehen oder für den Arztbesuch einen Babysitter. Es gibt viele Situationen, wo kurzfristige Hilfe nötig ist.

Nachbarschaftshilfe schließt die Lücke, die zwischen professioneller Hilfe durch ausgebildetes Fachpersonal und der sonstigen Versorgung zu Hause immer noch bleibt. Auch wenn es eine Sozialstation gibt, können von ihr nicht alle Bedürfnisse von Kranken und Gebrechlichen erfüllt werden. Unsere Helfer erledigen zum Beispiel Einkäufe, räumen Schnee, leisten kleine technische Hilfen, sie bügeln, lesen aus Zeitungen und Büchern vor, sie leisten Gesellschaft oder passen auf die Kinder auf. Sehr gefragt sind auch die Fahrdienste, die wir leisten",

sagt Bouquet. "Um es aber ganz deutlich zu machen: Wir leisten viel, nur keine Pflege", betont der Vereinsvorsitzende.

Einerseits wird also Hilfe benötigt. Andererseits gibt es auch viele Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Neigungen, die gelegentlich gerne eine kleine Aufgabe übernehmen würden, "wenn sie denn erfahren würden, dass ihre Hilfe gefragt ist". Der Diakonissenverein hat deshalb in Frankweiler alle Haushalte angeschrieben, um Hilfsangebot und Nachfrage zu ermitteln. "Die Idee wurde von Anfang an positiv aufgenommen. Es haben sich sogar mehr Menschen gemeldet, die gern helfen möchten, als solche, die Hilfe benötigen", berichtet Bouquet.

Frankweiler hat 907 Einwohner, davon sind 620 evangelisch. 38 Menschen haben sich gemeldet, die Hilfe anbieten. 28 Personen haben Hilfe empfangen, zwölf erhielten Fahrdienste. "Tendenz steigend!"

Alle können sich beteiligen: Jugendliche, Eltern, Alleinstehende und Ältere. Im neuen Sozialraum ist der Nachbar wieder gefragt - auch wenn er nicht nebenan wohnt.