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Die Ärmsten trifft es am härtesten

Mit Sorge blickt die Diakonie Pfalz in dieser Zeit auf die Situation der armen Menschen in Rheinland-Pfalz. Dazu sagt Landespfarrer Albrecht Bähr, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Pfalz:

Wir begrüßen das schnelle und entschlossene Handeln im Kampf gegen das Corona-Virus, fordern die staatlich Stellen auf allen Ebenen aber darüber hinaus auf, Sofortmaßnahmen für arme Menschen zu treffen, die von Krisen stets am härtesten getroffen werden.

Arme Menschen sind häufiger chronisch krank und tragen grundsätzlich höhere Gesundheitsrisiken. Damit zählen sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung auch häufiger zur Risikogruppe der Menschen mit Vorerkrankungen. Sie haben gleichzeitig weniger Ressourcen für einen gesunden Lebensstil. Fünf Euro sind im Hartz-IV-Regelsatz für einen Erwachsenen pro Tag für Ernährung vorgesehen, für Kinder noch weniger. Damit ist eine abwechslungsreiche, ausgewogene und gesunde Ernährung schlecht möglich – von einer sinnvollen Bevorratung im Umfang wie vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) generell empfohlen, ganz zu schweigen. Arme Menschen leben auch häufiger in problematischen Wohnverhältnissen, die die empfohlenen Maßnahmen zur häuslichen Hygiene im Falle einer Quarantäne erschweren bis unmöglich machen, weil sich beispielsweise mehrere Personen ein Zimmer teilen oder die sanitären Einrichtungen unzureichend sind. Die Ärmsten der Gesellschaft haben zudem einen erschwerten Zugang zu Informationen und Bildung. Digitaler Unterricht, wie er jetzt praktiziert werden soll, stellt arme Familien vor große Herausforderungen. Als oftmals prekär Beschäftigte sind sie es die armen Menschen, die zuerst ihre Jobs verlieren werden – und sie sind es, die in wirtschaftliche Krisenzeiten zuerst Gefahr laufen, diffamiert und noch mehr ausgegrenzt zu werden.

All diese Mechanismen sind bekannt und vorhersehbar. Sorgen Sie jetzt mit Sofortmaßnahmen dafür, dass es nicht soweit kommt. Wir rufen Sie auf, sich dafür einzusetzen, dass Zwangsräumungen und Energiesperren ausgesetzt werden; dass die Versorgung armer Menschen mit Lebensmitteln in den Kommunen sichergestellt wird und die Hartz-IV-Regelsätze adäquat erhöht werden.

Unser Appell richtet sich nicht nur an staatliche Stellen, sondern an die ganze Bevölkerung: Nehmen Sie die Nöte der Menschen in Ihrer Nähe wahr, bieten Sie die Ihnen mögliche und vernünftige Unterstützung an und verhalten sich solidarisch. Die Krankenpflege- und Diakonievereine bitten wir, ihre Nachbarschaftshilfen zu intensivieren und als Anlaufstelle für mögliche weitere Unterstützer da zu sein.