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"Die Zukunft einer Gesellschaft beginnt im Kindergarten"

Landeskirche und Diakonisches Werk starten neues Projekt für Kitas

Professor Frieder Harz, Projektmanagerin Sandra Wehrle, Gesamtleitung Pfarrerin Sabine Jung, Professorin Daniela Braun, Pofessorin Susanne Viernickel, Oberkirchenrat Manfred Sutter. Foto: Kunz

Ludwigshafen (dwp). "Religion, Werte und Bildung", kurz RWB, heißt das neue Projekt für die knapp 244 Kindertagesstätten der protestantischen Landeskirche. Bei einer Auftaktveranstaltung am Montag, 9. April, sind im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus die Inhalte der Fortbildung vorgestellt worden. Das Projekt läuft fünf Jahre, die Kitas können sich ab sofort bewerben.

Über 450 pädagogische Fachkräfte, DekanInnen und PfarrerInnen waren zur Auftaktveranstaltung des Projekts "Religion.Werte.Bildung." ins Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus gekommen. Für Oberkirchenrat Manfred Sutter und Sabine Jung, Abteilungsleiterin Diakonisches Profil und Pflege, ein Grund zur Freude und ein Zeichen, dass das neue Fortbildungsangebot von den Kita-Teams gut angenommen wird.

"RWB" ist das Nachfolgeprojekt der Qualitätsoffensive Kita+QM, die im März 2018 endete. Rund 95 Prozent aller Kitas im Bereich der Evangelischen Kirche der Pfalz hatten sich daran beteiligt. Die Schwerpunktsetzung bei dem neuen Fortbildungsprojekt auf die Themen religiöse Bildung, christliche Werteorientierung und Demokratieerziehung ist aus der Qualitätsoffensive Kita+QM erwachsen. Die Projektverantwortlichen konzipierten gemeinsam mit Wissenschaftlern in einer anderthalbjährigen Vorlaufphase die einzelnen Module. Diese wurden dann 2017 in vier Konsultationen in Zweibrücken, Ludwigshafen, Kaiserslautern und Neustadt Fachkräften und Trägern aus über 100 Kitas vorgestellt und diskutiert.

"Kinder haben ein Recht auf Religion", betonte Oberkirchenrat Manfred Sutter bei der Auftaktveranstaltung. "Und ein Recht, auf wesentliche Fragen ihres Lebens Antwort zu bekommen. Die Erzieherinnen haben die Aufgabe, die religiöse Entwicklung der Kinder zu begleiten und den Kindern theologisch etwas mitzugeben." Dies sei, so ergänzte Sabine Jung, eine wunderschöne Aufgabe und zugleich eine Herausforderung.

Bei "RWB" gehe es um die Religion von Kindern, die professionelle Haltung von Fachkräften und das Zusammenleben in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft, verdeutlichte Oberkirchenrat Manfred Sutter die Projektinhalte. "Das Projekt soll die Erzieherinnen ermutigen, gemeinsam mit den Kindern die Schönheit des Glaubens zu entdecken, die Unterschiede zwischen Religionen wahrzunehmen und das Zusammenleben in Kitas respektvoll zu gestalten", sagte er.

Um dies zu erreichen, sollen die Teams durch "RWB" in der Herausbildung einer gefestigten professionellen Haltung als Basis für eine religiöse und interreligiöse Bildung und Erziehung, die sich christlichen Grundwerten verpflichtet fühlt, unterstützt werden. Dazu wurden drei Module entwickelt, die - verteilt über zwei Jahre - an insgesamt sechs Tagen in den Einrichtungen vor Ort durchgeführt werden.

Professorin Dr. Susanne Viernickel von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig hat das Modul "Professionelle Haltung pädagogischer Fachkräfte in religiöser und kultureller Pluralität" entwickelt. Professionelle Haltung definiert die Erziehungswissenschaftlerin dabei als einen Dreiklang von Fachwissen, Können und Reflexion. Den Fachkräften möchte sie einen "inneren Kompass", eine Leitlinie von Werten und persönlicher Haltung vermitteln. Dabei ist auch das Team wichtig, das im Idealfall gemeinsam die Grundlage für gemeinsame Werte und Elemente einer professionellen Haltung definieren sollte.

Im zweiten Modul steht die religiöse und interreligiöse Bildung in der Kita im Fokus. Professor Dr. Frieder Harz, emeritierter Professor an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg und Pfarrer, möchte den Erzieherinnen und Erziehern vermitteln, dass Religion Spaß machen kann. "Glaube kann ein Schatz sein und nicht ein schwerer Rucksack, mit dem man zu kämpfen hat", betonte Harz. Außerdem wirbt er für eine integrierte Religionspädagogik. Diese solle in alle Aktivitäten in der Kita eingebunden werden und auch vom ganzen Team durchgeführt werden.

Im dritten Teil der Fortbildung geht es um Demokratieerziehung. "Die Zukunft einer Gesellschaft beginnt im Kindergarten", ist Professorin Dr. Daniela Braun; Vizepräsidentin der FH Koblenz, überzeugt. Und nie sei, so ergänzt die Sozialwissenschaftlerin, Demokratieerziehung wichtiger gewesen als heute. Das Ziel ihres Moduls ist es, die Erzieherinnen zu befähigen, sensibel zu sein "für die alltäglichen demokratischen Goldkörnchen". Dies sind Dinge wie Empathie, Freundschaft, Respekt, Begeisterung und Engagement der Kinder. Diese gelte es, fördernd zu unterstützen und den Eltern zu kommunizieren.

Die drei Module sehen die Referenten bewusst als Gesamtpaket, dessen Teile sich untereinander ergänzen. Einig sind sie sich auch, dass ständige Weiterbildung nötig ist, der Erzieherberuf mehr gesellschaftliche Akzeptanz benötigt und vor allem eine bessere finanzielle Ausstattung.

Das Projekt "RWB" ist auf fünf Jahre angelegt und kostet 2,4 Millionen Euro. "90 Prozent trägt die Landeskirchen zehn Prozent übernehmen die Kitas", erläutert Projektmanagerin Sandra Wehrle. Alle Kitas können teilnehmen und sich ab sofort bewerben. Die Teilnahme ist freiwillig. Kitas, die am Projekt teilnehmen, können das Evangelische Gütesiegel für Kitas kostenlos erwerben. Ab Januar 2019 beginnen dann die Fortbildungen. Anette Konrad